Konfessionelle Netzwerke der Deutschen in Russland 1922–1941

Quellen-Datenbank

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Dokument Nr. 73

6. Repression

Segreteria di Stato, Sezione per i Rapporti con gli Stati, Archivio Storico (S.RR.SS.),
Congregazione degli Affari Ecclesiastici Straordinari (AA.EE.SS.),
Pro Russia (1924-1935),
Scat. 28,
Fasc. 181,
Fol. 31r-32r

Datum: 15. April 1929
Verfasser: Josef Neugum
Empfänger: Kommission Pro Russia
Inhalt: Bericht von Neugum aus Odessa vom 15. April 1929 über die Folgen atheistisch-staatlicher Politik und über die Verhaftungen von Geistlichen.

Copia della lettera del canonico Giuseppe  N e u g u m , parroco e decano di Odessa.
Odessa 15/IV. 1929
 
Die Zeit rückt voran, und das Rad der Verfolgung bewegt sich von Tag zu Tag heftiger. Die Atheistenzellen greifen in wilder Front wutschnaubend die Religion an, die Diener derselben in schänderhafter Weise durch die Presse, die bei uns nur eine Richtung hat, verleumdend, um die Herde zu zerstreuen, nachdem man die Hirten geschlagen hat.
Ein Glück, dass dieses Gesindel mit seiner Lügenpresse bei der breiten Masse nach Verdienst alle Verachtung erntet. Die unbeschreibliche Armut und die schreiende Not auf allen Gebieten des Lebens lassen den Hass des Volkes gegen seine Herrscher mit jedem Tage stärker heranwachsen. Der Horizont ist sehr trübe und die Atmosphäre erstickend. Die komm. [kommunistischen] Jugendzellen fassen auch schon in unseren katholischen Dörfern Fuss, so dass wir infolgedessen viele beweinenswerten Ereignisse zu verzeichnen haben. Die Unzucht in grässlichster Art ist die Folge der neuen Jugendkultur. Wer neben draussen steht [sic!], kann sich kaum in die Intensivität und die Tragweite im Verderben dieses Giftes hineindenken. Energievolles Eingreifen der Priester auf diesem Gebiete hat deren Einkerkerung zur Folge. Jeder Fall verlangt seine besondere pastorelle Klugheit. Drei junge Priester aus unserer Mitte im Süden der Diözese Tiraspol sitzen in den Gefängnissen. Ich hoffe, dass einer von diesen bald frei sein wird. P. Wardidse in Tiflis ist noch arretiert; er ist wahrscheinlich selbst schuld an seinem Schicksal, wie mir aus Tiflis berichtet wurde. Der liebe Gott wird ihm ja wieder zur Freiheit verhelfen. Wer ist ohne Fehler!
In den vergangenen Jahren hatten wir die Erlaubnis, Kinder zur ersten hl. Kommunion in Gruppen, aus drei bestehend, zu unterrichten. Heuer ist die Lösung dieser Frage mit großen Schwierigkeiten verbunden. Wie das Ende davon aussehen wird, weiss ich noch nicht. Jedenfalls werden wieder einige hineinfallen.
Die Verwaltung der Diözese im Süden ist noch in den Händen des Prl. Kruschinsky.
 
Pro Brev., Codice et aliis gratias vel maximas ago.
 
Kniegebeugt vor dem Hl. Vater küsse ich in tiefster Verehrung dessen hl. Fuss, um den Apostolischen Segen bittend.
 
Od.15/IV.1929.
 
[gez.] Can. Jos.  N e u g u m

Empfohlene Zitierweise:
Dokument Nr. 73, in: Konfessionelle Netzwerke der Deutschen in Russland 1922-1941. Quellen-Datenbank. Hrsg. von Katrin Boeckh und Emília Hrabovec. URL: http://www.konnetz.ios-regensburg.de/dokumenteview.php?ID=73, abgerufen am: 26.02.2024.
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